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Donnerstag, 12. April 2012

Pressestimme zur Abschlussinszenierung der Schauspielschule Mannheim


In Schönheit stirbt das Ich

Marius von Mayenburgs „Der Hässliche“ als Aufführung der Theaterakademie in Mannheim

Für seine Abschluss-Inszenierung hat der aktuelle Jahrgang der Theaterakademie Mannheim Marius von Mayenburgs Stück „Der Hässliche“ ausgewählt. Eine sehr gute Idee: Das aus drei Männern und einer Frau bestehende Ensemble brachte eine rasante Komödie auf die Bühne des Theaters Felina- Areal. Regie führte der Nationaltheater- Schauspieler Sven Prietz. Die Wahrheit ist hart, und sie wird auch nicht beschönigt: Lette ist ein hässlicher Mensch, er sieht einfach absolut schauderhaft aus. Ohne Umschweife und ohne die mildernde Verwendung beschönigender Floskeln sagt ihm das seine Umgebung auch – seine Frau, sein Chef, sein Assistent sogar. Das ganze Gesicht ist so unmöglich, dass der Mann auf keinen Fall wie geplant die Präsentation seiner eigenen Erfindung – eines Steckverbinders – auf einem Kongress vornehmen kann. An dieser, allerdings auch wirklich nur an dieser Stelle ist die Fantasie des Zuschauers gefragt. Denn natürlich ist Markus Schultz, der den Lette spielt, überhaupt kein hässlicher Mensch, er sieht sogar ganz gut aus. Aber was sind das eigentlich auch für Kategorien: hässlich, gutaussehend? Wer definiert sie und wer entscheidet darüber, für wen welches Urteil gilt? Fragen, die Sven Prietz‘ Inszenierung ganz subtil und nebenbei stellt. Lettes Lösung des Problems besteht zunächst darin, sich – seines Selbstbewusstseins beraubt – auf den OP-Tisch eines Schönheitschirurgen (Benjamin Dami) zu legen, der die Verhübschung seines ach so furchtbar hässlichen Gesichts als „interessante Herausforderung“ begreift. Das Laken allerdings, das die Arzthelferin (Canan Kir) über den Patienten breitet, hat etwas von einem Leichentuch. Und tatsächlich stirbt hier etwas, in einem schleichenden Prozess, der mit der Operation begonnen hat: Lettes Identität. Weil er mit dem neuen Gesicht so erfolgreich ist, beginnt der Arzt es bald massenhaft zu vertreiben. Und plötzlich hat jeder diese Gesichtszüge, die gleiche Nase, die  symmetrische Augenpartie. Sogar Karlmann, der Assistent (Felix Berchtold), sieht jetzt aus wie der neue Lette. Autor Marius von Mayenburg hat noch einige Elemente eingebaut, die die Komödie zur Farce werden lassen, und Regisseur Sven Prietz hat sie dankbar aufgenommen. Da taucht plötzlich eine reiche alte Frau auf, die Lette verführt, und zwar gemeinsam mit ihrem zur homosexuellen Attitüde neigenden Sohn. Allerdings sind sie sich bald nicht mehr sicher, wen sie da in ihrer Mitte haben – die sehen ja alle gleich aus. Auch Lettes Frau kann bald nicht mehr auseinanderhalten, mit wem genau sie ein außereheliches Verhältnis pflegt. Und am Ende weiß auch Lette selbst nicht mehr, wer er eigentlich ist: „Ich kann nicht leben ohne mich.“ Als die Geschichte komplett ins Groteske abzudriften droht, ist sie zu Ende erzählt. Genau rechtzeitig. Und die vier Mitglieder des Quartetts sind von Schauspielschülern zu Schauspielern geworden: mit einem großartigen Stück, wie sie es hoffentlich noch oft spielen werden – voller Tempo, Witz und Dynamik. Schon das Zuschauen hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Quelle: RP
Foto: Simone Cihlar

Theaterakademie Mannheim
Holzbauerstr.6-8
68167 Mannheim
Karten unter 0621/3364886

http://der-haessliche.blogspot.de/

Donnerstag, 14. Juli 2011

Erlerntes Bühnenhandwerk glänzend unter Beweis stellt.

Schauspiel: Absolventen der Theaterakademie zeigen in einer Werkschau ihre Arbeiten

Jedem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne und dennoch ist bei den Absolventenwerkschauen der Theaterakademie Mannheim immer auch etwas Wehmut spürbar  angesichts einer meist ungewissen Zukunft fällt wohl jedem der Abschied schwer. Grund zur Freude haben die fünf jungen Schauspielerinnen am Ende ihrer dreijährigen Ausbildung dennoch zur Genüge. Die Prüfungen sind überstanden, alle Noten vergeben und so können sie sich erleichtert mit ihren Abschlussarbeiten im Theater Felina Areal ein vorerst letztes Mal dem Mannheimer Publikum präsentieren. Ob sie als Euripides’ Iphigenie verzweifelt, als Ewald Palmetshofers Dani aus hamlet ist tot. keine schwerkraft Sinnfragen stellt oder fordernd Brechts Barbara-Song interpretiert von antiker Versdichtung bis hin zur zeitgenössischen Postdramatik reicht das Repertoire, mit dem Nadine Münger ihr erlerntes Bühnenhandwerk glänzend unter Beweis stellt. Nach München wird sie ihr Weg nun führen, wo sie in Heiko Diez’ Uraufführung „Jane the Quene die Rolle der Elisabeth Tudor spielt. Eine Bühnenkarriere steht auch bei Katharina Wenz ganz oben auf der Wunschliste, Fuß fassen will sie aber zunächst im Bereich der Werbung oder als Synchronsprecherin.Auf der Rampe wusste sie als Annika aus Sathyan Rameshs Die ganzen Wahrheiten oder traumatisiertes Mädchen in Philip Ridleys Disneykiller durch enorme Wandelbarkeit zu gefallen. Ganz dem Komödienfach sieht sich Eva Sauter verpflichtet. Zwar will auch sie keine Möglichkeit unversucht lassen – ihrem Traum, einem eigenen Varieté- Programm, wünscht man nach einer atemberaubenden artistischen Tanzdarbietung und dem urkomischen Musik-Beitrag Ich wünsch’ mir einen Vorderzahn indes (Hugo Wiener, Klavier: László Artmann- Szithó) bestes Gelingen.

Dennis Baranski
Quelle: www.morgenweb.de

Glücksgefühle beim Tanzen

Tanzen, Choreografieren, Unterrichten – Gaelle Morello hat zu allem Lust. Sie ist gerade dabei, sich selbst
zu entdecken und von Mannheim aus ihre unterschiedlichen Ansätze zu erproben. Eines jedoch weiß sie genau: Sie möchte nicht wieder im festen Engagement tanzen, sondern in der freien Szene tätig sein.In Deutschland gebe es dafür bessere Voraussetzungen als in ihrem Heimatland Frankreich. Eine dieser Voraussetzungen heißt Mario Heinemann Jaillet. Gaelle Morello tanzt in seiner Compagnie MSTanzwerk und macht mit ihm das Projekt „Tanz bewegt Schule“. Gemeinsam suchen sie zweimal in der Woche zwei Grundschulen in Mannheim-Waldhof auf. In jeweils zwei Doppelstunden heißt es dann für die Zweitklässler nicht Schreiben, Lesen, Rechnen oder Turnen, sondern: Wie bewege ich meinen Körper? Rhythmische Körperbewegung hält Leib und Seele zusammen, wo sie durch Bewegungsarmut und Hyperaktivität auseinanderdriften. Wenn daraus Tanz wird, führt sie zu Glücksgefühlen, die sogar das Leben verändern können.
Quelle: www.rheinpfalz.de